Wie Kinder wirklich lernen: Das sagt die Wissenschaft
Was das neue Memorandum zur frühkindlichen Bildung für Erzieher:innen bedeutet
Lesezeit: ca. 6 Minuten | Aktualisiert: Dezember 2025
369 Wissenschaftler:innen haben sich zusammengetan und ein klares Signal an die Politik gesendet: Alltagsintegrierte Sprachbildung in der Kita wirkt – isolierte Förderprogramme nicht. Das Memorandum zur frühkindlichen Bildung 2025 ist eine Ermutigung für alle, die mit Kindern arbeiten.
Das Memorandum zur frühkindlichen Bildung 2025: Was ist passiert?
Im November 2025 haben vier renommierte Professor:innen der Kindheitspädagogik ein wissenschaftliches Grundsatzdokument veröffentlicht: das Memorandum zur Frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE). Die Autor:innen – Rahel Dreyer (ASH Berlin), Peter Cloos (Uni Hildesheim), Nina Hogrebe (TU Dortmund) und Ina Kaul (Uni Kassel) – haben damit eine der breitesten wissenschaftlichen Stellungnahmen zur Kita-Bildung der letzten Jahre vorgelegt.
Das Besondere: Über 360 weitere Wissenschaftler:innen von mehr als 100 Hochschulen und Institutionen haben das Dokument mitgezeichnet. Es richtet sich an die neue Bundesbildungsministerin Karin Prien und formuliert evidenzbasierte Empfehlungen für die Bildungspolitik.
Die Kernbotschaft: Ganzheitliche Bildung statt Drill
Die zentrale Erkenntnis des Memorandums wird mit der vollen Wucht wissenschaftlicher Evidenz untermauert: Kinder sind von Geburt an aktiv lernende und forschende Wesen. Frühkindliche Bildung entsteht nicht durch standardisierte Programme – sie entsteht im Spiel, in Beziehungen und durch bedeutungsvolle Erfahrungen.
„Frühkindliche Bildung meint nicht die Vermittlung festgelegter Inhalte und Kompetenzen, sondern einen aktiven Selbstbildungsprozess, in dem Kinder Erfahrungen sinnhaft verarbeiten sowie Denken, Fühlen und Handeln verbinden.”
Das bedeutet konkret: Bildung in der Kita passiert nicht durch Arbeitsblätter oder isolierte Lernprogramme. Sie passiert, wenn Kinder etwas erleben, das für sie bedeutsam ist – und wenn sie dabei von aufmerksamen, qualifizierten Fachkräften begleitet werden.
Alltagsintegrierte Sprachbildung: Was die Forschung sagt
Besonders relevant für die Kita-Praxis sind die Aussagen zur Sprachförderung. Das Memorandum stellt klar: Isolierte Sprachförderkurse und separate Vorschulklassen zeigen geringe Wirkung und tragen eher zu Segregation und Stigmatisierung bei.
Stattdessen plädieren die Wissenschaftler:innen für alltagsintegrierte Sprachbildung in der Kita. Das bedeutet: Sprachförderung, die natürlich in den Kita-Alltag eingebettet ist, an den Interessen der Kinder ansetzt und Mehrsprachigkeit als Ressource anerkennt.
Musik und Bewegung als Sprachförderung
Das bestätigt einen Ansatz, den wir aus über 20 Jahren musikpädagogischer Arbeit kennen – und der jetzt auch die Grundlage von Kita-Musicals.de bildet: Kinder entwickeln Sprache am besten, wenn sie singen, spielen, Geschichten erleben und sich bewegen.
Wenn Sprache nicht als isoliertes Lernprogramm daherkommt, sondern als natürlicher Teil eines gemeinsamen Erlebnisses, passiert etwas Entscheidendes: Die Kinder sind motiviert. Sie wollen mitmachen, weil es Spaß macht – und lernen dabei ganz nebenbei.
Ganzheitliche Bildung in der Kita: Mehr als Lesen und Rechnen
Das Memorandum betont ausdrücklich: Qualitativ hochwertige Kita-Bildung umfasst weit mehr als sprachliche und mathematische Fähigkeiten. Ganzheitliche Bildung in der Kita fördert:
Soziale und emotionale Kompetenzen – Empathie, Kooperationsfähigkeit, Selbstregulation
Körper und Bewegung – motorische Entwicklung, Körperbewusstsein
Kreativität und kulturelle Bildung – Musik, Theater, bildende Kunst
Demokratie und Partizipation – Mitbestimmung, Gemeinschaftsfähigkeit
Nachhaltigkeit – Verantwortung für Umwelt und Zukunft
Ganzheitliche Bildung, so die Wissenschaftler:innen, stärkt Selbstwirksamkeit, Empathie und Gestaltungsfähigkeit – die zentralen Grundlagen für gesellschaftliche Teilhabe und Demokratie.
Kita-Musicals als Beispiel für alltagsintegrierte Bildung
Wenn ein Kind bei einem Kita-Musical eine Rolle übernimmt, ein Lied singt oder eine Geschichte miterlebt, dann passiert genau das, was die Forschung als wirksam beschreibt:
Das Kind ist aktiv beteiligt und nicht passiver Empfänger von Wissen. Es erlebt etwas Bedeutsames in einer Gemeinschaft mit anderen Kindern. Und es entwickelt dabei – ganz nebenbei – sprachliche, soziale und emotionale Kompetenzen.
Das ist keine Zauberei. Das ist Bildung durch Beteiligung – wissenschaftlich fundiert und praktisch erprobt.
Was das Memorandum von der Politik fordert
Das Memorandum formuliert fünf konkrete politische Forderungen:
1. Bundesweit einheitliche Qualitätsstandards mit dauerhafter Bundesförderung
2. Abbau von Zugangshürden und diskriminierungsfreie Platzvergabe
3. Stärkung des ganzheitlichen Bildungsverständnisses gemäß SGB VIII
4. Investitionen in Aus- und Weiterbildung der Fachkräfte
5. Stärkung der Kooperation zwischen FBBE, Gesundheitssystem und Schule
Für uns in der Praxis heißt das: Wir können die strukturellen Probleme des Systems nicht allein lösen. Aber wir können mit guten Materialien und durchdachten Konzepten dazu beitragen, dass pädagogische Fachkräfte ihre wichtige Arbeit so gut wie möglich machen können.
Fazit: Wissenschaft bestätigt die Praxis
Das Memorandum zur frühkindlichen Bildung 2025 ist mehr als ein politisches Dokument. Es ist eine Ermutigung für alle, die in der Kita arbeiten: Euer Ansatz – Bildung durch Beziehung, durch Spiel, durch gemeinsames Erleben – ist wissenschaftlich fundiert.
Und es ist ein klarer Auftrag: Lasst euch nicht von kurzfristigen Trends oder politischem Druck in Richtung ‘mehr Arbeitsblätter, mehr Tests, mehr Drill’ drängen. Die Forschung ist eindeutig: Kinder lernen anders. Kinder lernen besser. Wenn wir sie lassen.
Alltagsintegrierte Sprachbildung mit Musik umsetzen?
Unsere Kita-Musicals verbinden Sprachförderung, Musik und Bewegung zu einem gemeinsamen Erlebnis – genau so, wie die Wissenschaft es empfiehlt. Entdecke unsere Musicals für jede Jahreszeit.
Quelle: Dreyer, R., Cloos, P., Hogrebe, N. & Kaul, I. (2025): Memorandum zur Frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung in Deutschland. Alice Salomon Hochschule Berlin.
Das vollständige Dokument: doi.org/10.58123/aliceopen-794
